Kontakt

    Pössel, Markus
    Markus Pössel
    Leiter, HdA und Leiter, MPIA-Öffentlichkeitsarbeit

    Telefon: +49 6221 528-261
    Raum: H-517

    NameExoWorlds: Wir dürfen eine fremde Welt benennen!

    7. Juni 2019

    Fremde Sterne und Planeten außerhalb unseres Sonnensystems bekommen in der Astronomie nur sehr selten offizielle Eigennamen, sondern üblicherweise nur Katalognummern. In diesem Jahr wird nach 2015 aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Internationalen Astronomischen Union (IAU) wieder die Möglichkeit für die Öffentlichkeit geben, das zu ändern. In Deutschland gilt es, Namen für den Stern HD 32518 und seinen vor 10 Jahren entdeckten Planeten HD 32518b zu finden, einen Gasplaneten mit etwa dreifachen Masse des Jupiter. Parallel dazu starten in anderen Ländern entsprechende Aktionen für andere Sterne und ihre Planeten.

    Worum geht es?

    Die deutsche Öffentlichkeit darf einem Exoplaneten und seinem Stern einen Namen geben.

    Der Name, den wir auswählen, wird von der Internationalen Astronomischen Union (IAU), die für die Benennung von Himmelsobjekten zuständig ist, anschließend als ein offizieller Name geführt. Planet und Stern tragen derzeit lediglich eine Katalognummer: HD 32518 ist der Stern, HD 32518b ist der Planet.

    Dass Exoplaneten, also Planeten, die einen anderen Stern umkreisen als die Sonne, einen echten Namen erhalten, ist äußerst selten. Bislang gab es erst eine entsprechende Aktion, im Jahre 2015. Ein Namensvorschlag aus Deutschland wurde damals nicht ausgewählt. Dieses Jahr hat Deutschland einen „eigenen“ Planeten, den wir benennen dürfen.

    Anlass der Aktion ist das hundertjährige Bestehen der Internationalen Astronomischen Union als weltweite Organisation der professionellen Astronomen.

    Was ist das für ein Stern? Was ist das für ein Planet?

    Künstlerische Darstellung des Jupiter-Zwillings um HIP 11915, der HD 32518b ähnlich sein könnte. Bild vergrößern
    Künstlerische Darstellung des Jupiter-Zwillings um HIP 11915, der HD 32518b ähnlich sein könnte.

    HD 32518 b ist ein Exoplanet, also ein Planet, der einen anderen Stern als die Sonne umkreist, nämlich den Stern HD 32518. (Die Bezeichnungen sind astronomische Katalognummern. HD steht für den US-amerikanischen Henry-Draper-Katalog aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.)

    Der Planet HD 32518 b ist ein Riesen-Jupiter mit rund der dreifachen Jupiter-Masse. Er umkreist seinen Stern alle 157,5 Tage. Der Planet wurde 2009 von Michaela Döllinger (damals bei der ESO), Artie Hatzes (Landessternwarte Tautenburg), Luca Pasquini (ESO), Eike Guenther (LST) und Michael Hartmann (LST) mit der sogenannten Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt.

    Der Stern mit der Katalognummer HD 32518 ist ein roter Riesenstern im nördlichen Sternbild Giraffe. Er hat ungefähr dieselbe Masse, aber einen zehn Mal größeren Durchmesser wie die Sonne. Das unscheinbare Sternbild Giraffe (Kamelopard) liegt in der Nähe des Polarsterns. HD 32518 ist mit dem Fernglas, für sehr geübte Beobachter unter besten Bedingungen auch mit bloßem Auge sichtbar.

    Wer darf Namen vorschlagen?

    In der ersten Phase des Projekts vom 7. Juni bis zum 20. September 2019 sammeln wir Namensvorschläge. Vorschlagsberechtigt sind Schulklassen, Kindergartengruppen und Amateurastronomische Vereinigungen. Pro Schulklasse/Kindergartengruppe/Vereinigung soll nur ein Vorschlag (ein Name für den Stern plus ein Name für den Planeten) eingereicht werden.

    Vorschläge können nur auf der Webseite http://www.exoplanet-benennen.de eingereicht werden. Ein paar Regeln gibt es dabei zu beachten; einige Arten von Namen sind nicht zulässig. Mehr dazu steht auf der Webseite sowie (auf Englisch) unter http://www.nameexoworlds.iau.org/naming-rules

    Der Auftakt

    Der offizielle Auftakt der deutschen Version von NameExoWorlds ist (ein kleiner) Teil der DLR_Raumfahrt_Show, die am 7. Juni 2019 im Erfurter Stadion vor 15.000 Schülerinnen und Schülern stattfand und bei der unter anderem die Astronauten Alexander Gerst und Ulf Merbold aufgetreten sind. Unser Projekt wurde im Rahmen der Show von Dr. Michaela Döllinger (Landessternwarte Tautenburg, Mitentdeckerin von HD 32518 b) und Dr. Markus Pössel (Haus der Astronomie Heidelberg, National Outreach Coordinator der IAU für Deutschland) kurz vorgestelltn.

    Wer trifft die Vorauswahl?

    Aus den Namensvorschlägen wählt eine IAU-Kommission fünf Vorschläge aus, die dann zur öffentlichen Abstimmung gestellt werden. Der Kommission gehören an:

    • Dr. Michaela Döllinger (Landessternwarte Tautenburg, Mit-Entdeckerin des Planeten)
    • Prof. Dr. Thomas Henning (Max-Planck-Institut für Astronomie, Heidelberg)
    • Dr. Carolin Liefke (Vereinigung der Sternfreunde e.V.)
    • Dr. Markus Pössel (National Outreach Coordinator für Deutschland der IAU)
    • Dr. Ruth Titz-Weider (DLR, Institut für Planetenforschung, Berlin)
    • Prof. Dr. Joachim Wambsganß (Präsident der Astronomischen Gesellschaft)

    Wie wird abgestimmt?

    Wer in Deutschland ansässig ist, darf vom 10. Oktober bis 10. November 2019 online unter http://www.exoplanet-benennen.de über die fünf „Finalisten“ abstimmen. Derjenige Vorschlag, der die meisten Stimmen auf sich vereinigt, wird der IAU für die offizielle Namensgebung übermittelt.

    Das IAU100-Jubiläum

    In diesem Jahr feiert die Internationale Astronomische Union (IAU), die weltweite Vereinigung der professionellen Astronomen, unter dem Motto „100 Jahre unter einem Hiimmel“ ihr hundertjähriges Bestehen.

    Die IAU fördert Forschung, Bildung und Wissenschaft im Bereich der Astronomie, insbesondere durch die Ausrichtung wissenschaftlicher Konferenzen. Die IAU ist außerdem für die offizielle Namensgebung von Himmelsobjekten zuständig.

    Als eine von vielen Aktionen zum IAU100-Jubiläumsjahr dürfen IAU-Mitgliedsländer in diesem Jahr je einen Exoplaneten und den Stern benennen, den dieser Planet umkreist. Die deutsche Öffentlichkeit darf den Stern HD 32518 und seinen Planeten HD 32518b im nördlichen Sternbild Giraffe benennen.

    Partner der Aktion

    Die Exoplaneten-Benennung findet im Rahmen der weltweiten Aktion NameExoWorlds der Internationalen Astronomischen Union statt. Kooperationspartner in Deutschland sind das Haus der Astronomie, das Max-Planck-Institut für Astronomie und das Schwerpunktprogramm SPP-1992 „Exoplanet Diversity“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

     
    loading content
    Zur Redakteursansicht